Lesen Sie hier die archivierte Meldung vom 18.05.2017

IGA-Berlin – Ein Mehr aus Farben

Das Wetter war prächtig, als Mitglieder des Stadtverbandes und des Kleingartenbeirates auf dem Busparkplatz der IGA ankamen. Vorbei an einem großzügig angelengten Entre mit Gartenmarkt, ging es zu einer der drei Haltepunkten der Seilbahn, die über den Kienberg zum anderen Eingang führt und auch nach der IGA betrieben werden soll. Beim Schweben über das Gelände bekommt man einen Eindruck von der Größe der IGA, das eher weitläufig als füllig erscheint. Reizvoll ist die renaturierten Aue, zwei Schwäne gleiten durch das Schilf, Pferde weiden im Gras, im Wald hier und da natürlich gestaltete Aufenthaltsplätze. Ein paar Schritt weit von der Haltestelle Kienberg eine Aussichtsplattform, die den Blick Richtung Berlin und weit über das Brandenburger Land ermöglicht. Bergab in Richtung Haupteingang sieht man schon das Gelände der thematisch integrierten Kleingartenanlage, die Pflanzenhallen und die Internationalen Gärten, die schon seit den 80er Jahren im Osten Berlins besucht werden können.

 Wenn man alles ablaufen möchte, kommt man auf eine Wegstrecke von 19 Kilometern. Nicht alle unserer Teilnehmer haben das geschafft – und das war keine Frage der Kondition. Sehenswertes gibt es an allen Ecken und Enden, doch verteilen sich diese auf einer weiten Anlage. Wer Zeit hat, kann die unterschiedlichen, tollen Plätze genießen, geht in den Chinesischen Garten und trinkt einen Tee im Teehaus – wirklich ein besonderes Erlebnis! – und ist so weit weg vom restlichen Geschehen, dass man tatsächlich vergisst, dass man in Berlin Hellersdorf sitzt. Im Englischen Garten hört man die Weideschafe blöken und hat auch hier kaum andere Gartenbereiche in Sichtweite und auch der orientalische Garten begeistert mit Originalität und Authentizität und lädt zum Verweilen ein. Tut man dies, schafft man den Weg durch die Gartenkabinette zu den Pflanzenhallen, um den Kienberg herum in die Kleingartenanlage mit Startergarten, durch den Pfad des Wäldchens, zum Wuhleteich und über den Wuhlesteg zum Beweidungsprojekt nur sehr schwer an einem Tag.

Die gärtnerischen Besonderheiten im Überblick:

Im Orientalischen Garten werden Obstbäume wie Quitte oder Pfirsich als Bestandteil der Gartengestaltung eingesetzt und das Obst dient gleichermaßen als Zierde und  Ernte. Ein weiterer Hingucker war die Immergrüne Magnolie (Magnolia grandiflora), welche wie der Name schon sagt, auch im Winter Blätter hat und eher an einen Rhododendron erinnert, aber ohne sauren Boden auskommt. Ideal für Vereine wie KGV „Hellersiedlung Nordhöhe“, die auch im Winter Windschutz brauchen und nicht auf Nadelbäume zurückgreifen wollen.

Der Burmesische Garten, der in einem 12 m hohen Gewächshaus liegt, ist ein angenehmes Erlebnis, denn dort wachsen nicht nur Bananen und Kokospalmen, sondern auch bekannte Zimmerpflanzen wie Kletterfeige, die dort als Bodendecker gepflanzt wurde.

Der Japanische Garten besaß einen nassen und einen trockenen Wasserfall und konzentrierte sich anders als viele andere Pflanzungen auf Grün. Während der nasse Wasserfall natürlich und bis auf des mit kleinen Kieselsteinen gelegte Bett wenig überraschend war war, verzichtete der zweite gänzlich aufs Wasser. Die hellen Kieselsteine wurden im Wellenmuster arrangiert - ein aufwändiges Unterfangen, da alle Blätter am Morgen entfernt wurden und der Kies anschließend neu in Form geharkt werden muss.

In den Internationalen Gartenkabinetten liegt der Schwerpunkt vor allem auf Gestaltungsvorschlägen und Anregungen zur Kombination unterschiedlicher Zusammenstellung und Nutzung von Materialien und Pflanzen. Interessant waren die Möglichkeiten vertikalen Gärtners, mobile Hochbeete, außergewöhnlich gestaltete Sichtschutzelemente, die gleichzeitig als Rankhilfen genutzt oder in Form von Spalierobst gestaltet wurden  und die Kombinationen für Stauraum und Sitzgelegenheiten.

Die Kleingartenanlage überraschte positiv mit breiten Graswegen. Wo gelaufen wurde, hatte sich ein kleiner Treidelpfad gebildet, der Rest war Grün in Grün und wurde von Obstbäumen und
-sträuchern gerahmt, die der Gemeinschaft gehörten. Negativ fiel der „Startergarten“ der Anlage auf, da er weit weniger bewirtschaftet und Kleintierhaltung thematisiert wurde und Empfehlungen, die weit weniger der kleingärtnerischen Nutzung entsprach, als seine umliegenden Kleingärten.

Der Friedhofsgartenbereich war beeindruckend und auch die Naturnahe Gestaltung des gesamten Geländes. So ging man gekonnt mit der Formen- und Farbvielfalt der Blühpflanzen um, es wurde ein erstaunliches Spektrum an Tulpen gezeigt und auch geschickt eingesetztes Gemüse als Blattschmuckpflanzen - die mooskrause-Petersilie im Blumenbeet überraschte viele Gärtner. 

Ein Besuch der IGA lohnt sich sicher, doch sollte man warten bis Nutzpflanzen in die Beete kommen und entsprechend viel Zeit einplanen – oder sich auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Der Landesverband Sachsen der Kleingärtner präsentiert sich vom 16. bis  23. Juni auf der IGA und heißt alle Dresdner Gartenfreunde herzlich willkommen!

 

 

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